30.01.2025 - Mt. Yotei – auf und im Berg – Strapaza in Japan

Von: Barbara Haller Rupf


Yotei Dronenaufnahme

Skitour im Birkenwald

Geisterbäume

Abfahrt in Caldera

Ramen

Wie schon im Januar 2018 nutzte ich die Gelegenheit meines Lehrauftrags in Shanghai für einen Abstecher in den Schnee Japans. Diesmal zog es mich nach Hokkaido, die für ihren Schneereichtum so bekannte Nordinsel. Mit Pulverschneefahrten und Skitouren wollte ich auch die Zeit zum Chinesisch Neujahr überbrücken, zu welchem ich wieder nach China zurückkehrte. Mangels Gschpänli und weil ich nicht alles organisieren wollte, schloss ich mich einer Gruppe der Sherpas Ride, einer tschechischen Outdoororganisation an. Elf Männer und ich genossen während acht Tagen den Pulverschnee auch mittels Skitouren. Der Fokus lag beim Powdern, insbesondere nach einem «Refill», das heisst, wenn über Nacht Schnee gefallen war. Die Felle nutzten wir vor allem, um auch ausserhalb der durch die Lifte zugänglichen Gebiete unserem Hobby zu frönen. Dank Strapazi-Training waren die Aufstiege für mich locker und der Männerüberhang auch nichts Neues, obwohl ich mich über mehr Frauen gefreut hätte. Verschiedene günstige Momente – Wetter, Schneesituation, Gruppe – machten am letzten Tag nach etwas Pushing durch das Österreich-Schweiz-Quartett die Besteigung des Vulkans Yotei möglich. Der Berg, auch Ezo Fuji genannt wegen seiner Ähnlichkeit zum berühmteren Namensgeber, liegt isoliert im Süden Hokkaidos im Shikotsu-Toya-Nationalpark und erhebt sich aus einer Ebene auf rund 200 Meter auf 1898 m ü.M. Seine Besteiger sind auch deshalb geachtet, weil anders als bei anderen Vulkanen keine Bahn Richtung Gipfel existiert – «by fair means» halt. Noch in der Dunkelheit begannen wir – vier Gäste, unser Guide, ein ehemaliger Weltcupfahrer und seine zwei Profifotografen - unseren Aufstieg erst durch den Laubwald aus Birken und Bambus. Es folgte die Zone der «Geisterbäume», tief eingeschneite, durch Schnee und Wind gebeugte Zwergbirken und über ein kleines Plateau gings hinauf in die baumlose Zone des letzten Vulkanaufschwungs. Der Yotei gilt als aktiver Vulkan, sein letzter Ausbruch erfolgte allerdings vor circa 3'500 Jahren. Nach fünf Stunden erreichten wir den Calderarand mit genialem Blick hinunter auf die Hügel Hokkaidos und zu den benachbarten Vulkanen. Nach kurzer Rast und Fotosession kam für mich der speziellste Moment dieser Tour, die zweihundert Meter Abfahrt hinunter in die Caldera, hinein in den Berg. Die Vorstellung, dass hier auch wieder einmal Lava ausbrechen oder zumindest ein neues Onsen entstehen könnte war faszinierend. Onsen sind gefasste heisse Quellen in ganz Japan, in welchen Mann getrennt von Frau sich nach dem kühlen Skivergnügen wohlig aufwärmen kann. Aus der Caldera hinaus gings wieder auf Fellen auf den höchsten Punkt des Calderarandes. Die Abfahrt war trotz zu langer Skis ein Riesengenuss ebenso die Ramennudeln in Kutchan.